Die bisher übliche europäische Mainstream-Erzählung lautet: Die EU ist ein Elitenprojekt, das man den Bürgerinnen und Bürgern nahebringen muss. Eine andere Sicht auf die Bürger Europas eröffnet der Sozialhistoriker Hartmut Kaelble (1), in seinem 2019 erschienenen Buch „Der verkannte Bürger“. Er lehrte von 1971 bis 1991 als Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Freien Universität und von 1991 bis 2008 als Professor für Sozialgeschichte an der Humboldt-Universität, beide in Berlin. Kaelble befasst sich mit Rolle der Bürger in der europäischen Einigung und schildert somit „Eine andere Geschichte der Europäischen Integration seit 1950“. (2) Dem Buch ist mehr Beachtung zu wünschen, im Folgenden wird sein Inhalt vorgestellt.